Historischer Verein Memmingen

Geschichtsforschung - Heimatpflege - Denkmalschutz

Hans Häberlin - predigender Bauer

 

Als Bauer in Grönenbach stöhne ich wie so viele unter den Lasten, die uns der Fürstabt von Kempten auferlegt. Die Zehnten und viele andere Abgaben und Dienste, die wir ständig leisten müssen, lassen uns kaum Zeit, unsere Äcker zu bestellen, von deren Ertrag wir leben müssen. Wir sehen ja ein, dass wir den Großzehnt für die Pfarrer und die Grundherren abliefern müssen, aber alle die vielen anderen Abgaben lassen kaum noch etwas für unser eigenes Leben übrig.

Oft weiß ich nicht, wie ich Frau und Kinder satt bekommen kann. In Memmingen hörte ich in St. Martin Schappelers Predigten, der spricht mir aus der Seele. Er lehnt es strikt ab, dass wir Bauern durch den Zehnten und die Dienste total ausgebeutet werden und verweist dabei auf die Heilige Schrift.

Hans Häberlin kaufte sich ein Neues Testament. Nach der Ermordung seines Lehrmeisters Pfarrer Mattheys Waibel, des Predigers von Sankt Lorenz in Kempten im August 1525 durch Soldaten des Schwäbischen Bundes, begann Häberlin selbst, Gottes Wort zu verkündigen. Pfarrer Job Ulin und andere sagten "er soll fortfahren das Wort Gottes zu verkündigen und zu predigen und sich von keiner Obrigkeit verhindern lassen." Am 27. August 1526 wurde Hans Häberlin von den Bundesreitern gefangen genommen und am 7. September gehenkt.