Projekt "Menschen 1630"
"Et nos floruimus,
sed flos fuit ille caducus.
Wir waren auch im Flor /Es ware alles grün.
Jetzt werden Blätter welck / und ist die Blust dahin"
Mit diesen Worten resümierte der Memminger Stadtarzt Christoph Schorer in seiner 1660 gedruckten Memminger Chronik die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Ab 1618 war die in der schwäbischen Reichsstadt so sehr geschätzte Ruhe und Ordnung immer wieder gestört. Bis Kriegsende 1648 stiegen die Kriegskosten auf mehr als eine Million Gulden an - vom Verlust an privatem Vermögen und Besitz ganz zu schweigen. Gleichzeitig gefährdeten Sitte und Moral in Soldateska und Bürgerschaft Leben und Seelenheil. Und schließlich sorgten Pest und ansteckende Krankheiten dafür, dass die Zahl der Einwohner auf geschätzt ein Drittel des Vorkriegsstandes sank.
Der mehrmonatige Aufenthalt Wallensteins 1630 in der schwäbischen Reichsstadt Memmingen zog seit dem 19. Jahrhundert in Memmingen einige Aufmerksamkeit auf sich - zunächst als Fasnachts-Festspiel (1895), dann in den Umzügen zu den Großen Fischertagen (ab 1900). Seit 1980 lässt der Fischertagsverein Memmingen das Quartier Wallensteins mit zahlreichen Darstellerinnen und Darstellern spielerisch wiedererstehen - verbunden mit Einblicken ins Handwerk der Zeit.
Seit Herbst 2015 beschäftigt sich der Historische Verein Memmingen auf der Basis der wissenschaftlichen Stadtgeschichtsforschung mit der Erforschung persönlicher Schicksale während des Dreißigjährigen Krieges. Unter dem Titel: "Leben - Stadt - Krieg. Memminger Streiflichter 1618-1648" wurden die Ergebnisse in der Memminger Frauenkirche präsentiert und zusammen mit den Editionen einschlägiger Chroniken (von Sebastian Dochtermann, Jonas Kimpel, Micheas Fretscher und Christoph Schorer) in den Memminger Geschichtsblätter 2019-2021 publiziert.
Mit den nun erneut oder neu bearbeiteten Lebensbildern kommen zum "Wallenstein-Sommer 1630" (26.07.-02.08.2026) vielfältige Alltagssituationen in einer vermeintlich homogenen protestantischen Reichsstadt Memmingen ans Tageslicht. Die Bearbeiter der Lebensläufe (Claudia Berg, Friedemann Bombe, Kathrin Dietrich, Christoph Engelhard, Dr. Thomas Epple, Herbert Heuß, Reinhard Heuß, Sibylle und Hansjörg Käser, Dr. Christa Koepff, Stephanie Pöllner und Sara Unglert) wünschen gewinnbringende Einblicke in ein aufregendes Kapitel unserer Stadtgeschichte!
25 Memmingerinnen und Memminger berichten aus unterschiedlichen Schichten und Perspektiven über ihr Leben im Jahr 1630 berichten:
- Torwärter und Nachtwächter (Ratzengraben/Hexenturm)
- Jugendlicher (Martin-Luther-Platz)
- Pfarrer und Organist (Martin-Luther-Platz)
- Hausverwalter und Chronist (Schweizerberg/Fuggerbau)
- Bürgermeister und Syndikus (Kramerstraße/Furtgasse)
- Kramerzunftmeister und Baumeister (Kreuzstraße/Roßmarkt)
- Almosenempfängerin und Weberin (Weinmarkt beim Freiheitsbrunnen)
- Henker und Bettler (Weinmarkt)
- Steuerschreiber und Metzger (Weinmarkt)
- Wundarzt und Mesner (Schrannenplatz/Hirschgasse)
- Schulmeister und Oberer des Kreuzherrnklosters (Theaterplatz)
- Kornmeister und Glockengießer (Schrannenplatz)
- Bordellbetreiberin und Franziskanerin (beim Turm der Frauenkirche)
Informationen zu den Standorten (Juli bis Oktober 2026) finden Sie hier.
Für die finanzielle Unterstützung dankt der Historische Verein der Sparkasse Schwaben-Bodensee und der VR-Bank Memmingen eG. Die Figuren wurden von Melanie Hähnle (Design im Herzen) gestaltet; die Ausführung erfolgte durch die Schilder GmbH (Foliendruck) und die Kunstschmiede Übele (Konstruktion). Der Stadt Memmingen danken wir für die tatkräftige Unterstützung bei der Aufstellung der Figuren.