Hans Heltzlin - mutiger Zehntverweigerer
Mein Name ist Hans Heltzlin. Als Bäckermeister gehöre ich der Bäckerzunft an und wohne im Haus Nr. 474 in der Neuen Kempter Gasse (heute Kempter Straße 14). Einige weitere Bäcker, aber auch andere Handwerker wohnen in meiner Umgebung. Ich bin ein großer Anhänger unseres Predigers Christoph Schappeler, der uns das Evangelium in deutscher Sprache so klar und verständlich erklärt. Besonders gefällt mir seine Aussage, „man sey nit schuldig, den Zechenden zu geben“. Das war auch der Auslöser für mein Schicksal und die Schikanen, denen ich ausgesetzt war.
Die Abgaben, die wir regelmäßig leisten müssen, zahlten einige andere und ich im Juli 1524 nicht mehr. Tatsächlich wurden wir vom empörten Magistrat aufs Rathaus bestellt. Wir folgten der Vorladung mit Wut und auch großer Angst, denn wir erwarteten eine heftige Diskussion. Was würde uns dort passieren?
Mit Nachdruck wurde uns vom Magistrat erklärt, dass wir den Zehnten bezahlen müssten, sonst würden wir bestraft werden. So eine Gemeinheit und so eine Ungerechtigkeit! Ich betonte, dass ich den Zehnten nicht mehr zahlen würde. Alle anderen lenkten aus Angst vor der Strafe ein, doch ich blieb standhaft und weigerte mich weiterhin, den Zehnten zu bezahlen, weil ich das gerichtlich entscheiden lassen wollte. Deshalb ließ der Magistrat mich verhaften und einsperren. Was würde nun passieren? Konnte ich mich auf Schappeler und die Mitbürger verlassen? Würden sie mir helfen? Tatsächlich kamen viele Mitbürger auf den Marktplatz und protestierten gegen meine Verhaftung. Ein Ausschuss wurde gebildet, in dem Vertreter der Zünfte deutlich machten, dass sie meine Verhaftung nicht akzeptieren würden und ich schnellstmöglich freigelassen werden sollte. Zwei Tage später wurde ich aus der Haft entlassen.
Anfang Januar 1525 war ich als Vertreter der Bäckerzunft beim Memminger Religionsgespräch als Mitglied des Entscheidungsgremiums anwesend, bei dem unser Prediger Christoph Schappeler als Sieger hervorging. In Memmingen konnte nun weiterhin die evangelische Lehre gepredigt werden. Im März 1525 war ich bei den Beratungen zu den 12 Artikeln in der Kramerzunft nicht dabei.
Nachtrag: Als im Juni 1525 die Truppen des Schwäbischen Bundes die Stadt besetzen, wurde Hans Heltzlin das Leben in Memmingen zu gefährlich. Mit einigen anderen Anhängern der Reformation floh er in die Schweiz.