Ambrosius Bäsch - mutiger Webermeister
„Freiheit!“, haben wir gerufen, „Freiheit für Hans Heltzlin!“ Erst waren wir nur wenige, die an diesem 13. Juli 1524 auf dem Markplatz zusammenkamen um für Hans zu demonstrieren, dann wurden es mehr, 200, 300, der Marktplatz war voll! Warum ließ der Rat Hans verhaften? Weil er sich weigerte, den Zehnt an die Kirche zu entrichten. Denn unser Prediger Schappeler hat klar gesagt, es gibt kein göttliches Gebot für diese Abgaben. Der Rat aber meinte, er müsse Hans zur Abschreckung hart bestrafen. Da hatte er aber unsere Solidarität und die Anhängerschaft Schappelers unterschätzt!
Ich war der wichtigste Sprecher dieser Menge und konnte dem Rat unsere Forderungen vorlegen: Freiheit für Hans! Schluss mit solchen willkürlichen Verhaftungen! Jeder soll selbst mit den Pfarrern den Zehnt aushandeln! Vor allem: Die Geistlichen, die immer noch gegen Schappeler hetzen, sollen bestraft, in ALLEN Kirchen Memmingens soll das wahre Wort Gottes verkündet werden! – Schnell gab der Rat nach und ließ Hans frei und über die anderen Forderungen versprach der Rat in den nächsten Tagen zu beraten.
Warum gerade ich Sprecher wurde? Ich bin ein angesehener Webermeister und die Weber sind besonders zahlreich in der Stadt, vor allem aber, weil die Menschen mich und meine klare Haltung für Schappeler kennen. Ein Jahr vorher hatte ich dem altgläubigen Pfarrer Megerich ein Schreiben aufgedrängt, in dem der Lehrer Höpp Klartext geschrieben hatte – über das unchristliche, schlechte Benehmen der meisten Geistlichen und insbesondere von Megerich. Der hatte doch davor tatsächlich gefordert, alle, die Luthers Texte lesen, aus der Stadt zu jagen! Wenn jetzt auch die Bauern „Freiheit“ fordern – ich bin auf ihrer Seite!
Wie es weiterging: Ambrosius Bäsch wird 1525 nach dem Einrücken des Schwäbischen Bundes zum Mitglied des Stadtgerichts gewählt, ansonsten taucht er in den Quellen nicht mehr auf.
Literatur: Askan Westermann: Zur Geschichte der Memminger Weberzunft und ihrer Erzeugnisse im 15. und 16. Jahrhundert, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 12, 1914, S. 385-403, 567-592; Barbara Kroemer: Die Einführung der Reformation in Memmingen. Über die Bedeutung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren: in: Memminger Geschichtsblätter 1980, S. 1-226 (mit Ratslisten); Peter Blickle: Memmingen – Ein Zentrum der Reformation, in: Jahn, Joachim, Hans-Wolfgang Bayer in Verb. mit Uli Braun: Die Geschichte der Stadt Memmingen. Von den Anfängen bis zum Ende der Reichsstadt, Stuttgart 1997, S. 351-418