Bernhard Strigel - Maler und einflussreicher Bürger
Ich bin 1460 in Memmingen geboren. In meiner Familie sind Bildhauer- und Malermeister vertreten, die Altäre, Skulpturen und Bildnisse nicht nur für Memminger Auftraggeber anfertigen. Ihr Absatzgebiet reicht von Schwaben, Bodensee bis Südtirol, von Graubünden bis ins Tessin. Ich selber bin Maler und habe meine Werkstatt gegenüber dem Antoniterspital. Schon als junger Mann habe ich für Altäre von Ivo Strigel Hintergrundlandschaften gemalt und Altartafeln mit Bildnissen versehen. In späteren Jahren war meine Portraitmalerei gefragt. Als Hofmaler habe ich Kaiser Maximilian und seine Familie gemalt.
Seit 1512 bin ich in verschiedenen Ämtern der Stadt tätig: Als Richter in Schiedsverfahren, als Beisitzer, später als Zunftmeister und Rat. Meine Zugehörigkeit zum Rat bringt viel Arbeit mit sich: Gutachten erstellen, Abfassen von Ordnungen in verschiedenen Ausschüssen, Anhören und Schlichten von Streitigkeiten. Oft vertrete ich Angelegenheiten der Reichsstadt und Memminger Bürger in anderen Städten.
Eine besonders schwierige Aufgabe war es für mich, den von mir geschätzten Prediger Christoph Schappeler zu ermahnen, nicht gegen die Obrigkeit zu predigen. Doch als er in einer Predigt gegen die Messe und Fürbitten der Heiligen wetterte, wurde er als „Ketzer“ bezeichnet, worauf ein Tumult im Gottesdienst entstand. Sogleich eilte ich mit Eberhard Zangmeister zu Schappeler und ermahne ihn zu größerer Zurückhaltung.
Am 29. Januar 1524 zitierte der Bischof von Augsburg Schappeler zu sich nach Dillingen. Doch Schappeler weigerte sich der Aufforderung zu folgen mit der Begründung: Nicht das Schloss von Dillingen, sondern Augsburg sei der Sitz des bischöflichen Gerichts. Der Rat sandte Hans Keller und mich zum Bischof mit der Bitte von der Zitation nach Dillingen abzusehen. Leider beharrt dieser auf seinem Befehl und drohte mit dem Einschreiten des Schwäbischen Bundes gegen die Stadt. Am 4. Februar 1524 schickte mich der Rat zum Reichstag nach Nürnberg. Dort wurde mir geraten, Schappeler dazu zu bewegen, unter der Zusicherung freien Geleits sich dem Bischof in Dillingen zu stellen. Als Schappeler das verweigerte, schickte mich der Rat am 18. Mai 1524 nach Lauingen mit einer Rechtfertigung Schappelers. Ein Vergleich scheiterte.
Wie es weiterging: In den Wirren des Bauernkriegs 1525 besetzte der Schwäbische Bund die Stadt. Bernhard Strigel zog sich von den politischen Tätigkeiten zurück. Als die Bundestruppen Memmingen verlassen, übernahm er 1526 wieder Ratsgeschäfte. Doch es werden wohl die letzten Tätigkeiten für den Memminger Rat gewesen sein. Strigel starb verarmt am 4. Mai 1528.
Literatur: Askan Westermann: Bernhard Strigel als reichsstädtischer Bürger, in: Memminger Geschichtsblätter 14. Jg., 1928, S. 13-16