Historischer Verein Memmingen

Geschichtsforschung - Heimatpflege - Denkmalschutz

Christoph Schappeler - wortgewaltiger Prediger

 

Als Lizentiat der Theologie bin ich 1513 als Prediger an Sankt Martin in Memmingen berufen worden. Redegewandt, mit wachem Verstand, sozialkritisch und temperamentvoll, so beschreiben mich meine Freunde; charakterlos, aufbrausend, gewalttätig und demagogisch meine Gegner.

Da ich wegen meines Glaubens über die sozialen Missstände in der Stadt nicht einfach hinwegsehen kann, habe ich mich mehrfach beim Magistrat beschwert über die ungleiche Verteilung des Vermögens und darüber, dass die Armen härter bestraft werden als die Reichen.

Während der Zweiten Züricher Disputation 1523 mit 900 Teilnehmern, bei der es um die Erneuerung der Kirche ging, habe ich mit zwei weiteren Theologen den Vorsitz geführt. Anschließend habe ich die Beschlüsse dieser Disputation in Memmingen umgesetzt: Ablehnung der Bilderverehrung, der Marien- und Heiligenanrufung, der Fastengebote, der Beichtpflicht, des Fegefeuers und des Opfercharakters des Abendmahls, Feier des Gottesdienstes auf Deutsch und das Priestertum aller Gläubigen.

Darüber hat im Januar 1525 ein Religionsgespräch mit den Altgläubigen vor den Oberen der Stadt stattgefunden. Danach haben die meisten Anwesenden mit meinen Überzeugungen übereingestimmt. Außerdem zweifle ich die Rechtmäßigkeit des Zehnten an und verlange, dass der Zehnt nicht gefordert, sondern erbeten werden soll, was mir bei den Bauern und Handwerkern viel Sympathie einbringt. Seit Dezember 1524 reiche ich den Gottesdienstbesuchern das Abendmahl in Brot und Wein. Auch bei den 12 Bauernartikeln finden meine Ideen Beachtung.

Als am 9. Juni 1525 die Truppen des Schwäbischen Bunds* in die Stadt einmarschieren und mir die Hinrichtung droht, ziehe ich es vor, nach St. Gallen zu fliehen.

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