Frau des Diepold Mair will ihren Mann zurückholen
Mein Mann und ich bewirtschafteten einen kleinen Hof. Fast immer reichte das, was wir ernteten, kaum aus, um die Abgaben an unsere Herrschaft zu bezahlen. Oft wusste ich nicht, wie ich Mann und Kinder satt bekommen konnte. Immer wieder stellte der Vogt des Herren neue Forderungen und verlangte zusätzliche Dienste auf den Feldern der Herrschaft.
Im Herbst des letzten Jahres kamen Bauern aus Oberschwaben und erzählten, sie wollten sich dies nicht länger gefallen lassen. Überall rotteten sie sich zusammen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Und mein Mann und ich, wir wollten nun auch für unsere Freiheit und ein besseres Leben kämpfen. Mit anderen aus unserem Dorf zogen wir nach Memmingen. Dort schrieb Sebastian Lotzer im Auftrag der Hauptleute der drei Bauernhaufen die Forderungen auf. Auf den Gassen und in den Schenken wurde von der neuen Freiheit geredet.
Zunächst sah es noch gut aus: die Herrschaften wollten Gutachten einholen und wir dachten, wir bekommen endlich unsere Freiheit und unsere alten Rechte zurück. Aber einige Männer waren misstrauisch: sie wollten eine Kanone kaufen und mit Schwert, Morgenstern und notfalls einem Dreschflegel ihre Forderungen durchsetzen. Da rief die Stadt aus Angst vor einer Rebellion das Heer des Schwäbischen Bundes zu Hilfe.
Als das Heer vor der Stadt aufmarschierte, bekamen mein Mann und seine Kumpane Angst: bei Nacht und Nebel verließen sie die Stadt. Ich blieb allein zurück: ohne Geld, schutzlos, ohne Dach über dem Kopf. Jeden Tag versuchte ich, mit Betteln das Nötigste zum Leben zu bekommen. Aber viele Bürger sahen in mir die Frau eines Aufständischen, und gingen achtlos an mir vorbei. Wochen später hörte ich, dass Georg von Waldburg mit seinem Heer die Bauern an der Leubas vernichtend geschlagen hatte. Und mein Mann?? Kein Lebenszeichen.
Irgendwann erfuhr ich, dass er noch lebt. Zusammen mit anderen Frauen bat ich den Rat, dass er unseren Männern doch gestatte, wieder in die Stadt zurück zu kommen. Bis jetzt erhielten wir keine Antwort. Nun muss ich weiter allein zurechtkommen. Nirgendwo kann ich als Magd arbeiten, ich muss betteln gehen. Aber in diesen schweren Zeiten geben die Menschen an eine Fremde kaum etwas. Oft reicht es nicht um den größten Hunger zu stillen.Was wird aus mir?