Jakob Megerich - beharrlicher altgläubiger Pfarrer
1498 wurde ich als Mitglied des Heiliggeistordens Priester der Frauenkirche*. 1522 waren schon viele meiner Gemeindemitglieder der neuen Lehre zugewandt und die Spenden für uns Pfarrer sanken so, dass ich mich darüber vor dem Rat beklagte. Als der Rat ein Verkaufsverbot von Luthers Schriften ablehnte, erboste mich das so sehr, dass ich in der Predigt die Leser dieser Bücher als „Ketzer, die man mit Schimpf und Schande zum Tor hinausjagen solle“ beschimpfte. Ich bin gegen eine Tauffeier in deutscher Sprache und gegen das Abendmahl mit Brot und Wein. Viele Weber forderten vom Rat, dass ich in diesen beiden Punkten nachgäbe. Falls nicht, sollten diese Punkte öffentlich entschieden werden.
Am Weihnachtsfest 1524 verfolgten mich Gottesdienstbesucher in die Sakristei, „haben mich mit Fäusten und Füßen gestoßen und geschlagen“, um Zugeständnisse zu erzwingen. Erst der Bürgermeister errettete mich aus dieser Not. Unter diesem Zwang sagte ich nun meine Teilnahme an einem Religionsgespräch mit Christoph Schappeler* zu. Da waren auch alle Räte, Geistlichen und einige Bürger da, u.a. der Lateinschulmeister Paul Höpp und der Bäcker Hans Heltzlin. Zusammen mit meinem Ordensvorsteher Thomas Knoch wollte ich den Thesen Schappelers ohne Zustimmung des Bischofs weder zustimmen noch sie verwerfen. Der Rat holte hierauf Gutachten ein. Mir wird das Predigen in der Kirche verboten, doch ich halte mich nicht daran.
Wie es weiterging: Als am 9. Juni 1525 Landsknechte des Schwäbischen Bundes in Memmingen einmarschierten, konnte Jakob Megerich wieder ungehindert die Messe feiern und den Zehnten erheben. Nach Abzug des Heeres kam ein evangelischer Prediger an die Frauenkirche. Der Rat gebot Megerich, „er solle friedsame Dinge predigen; ob der Pfarrer an der Kanzel etwas Ungeschicktes rede, werde dem Rat angezeigt und andere Seelsorger bestellt.“ Megerich hielt sich nicht daran, ihm wurde erneut das Predigen verboten. Die letzte Nachricht über ihn stammt aus dem Jahr 1536, als er gegen die Einsetzung eines nicht dem Heilig-Geist-Orden angehörenden Pfarrer durch den Spitalmeister protestierte.
Literatur: Martin Sontheimer: Die Geistlichkeit des Kapitels Ottobeuren. Von dessen Ursprung bis zur Säkularisation, Bd. 5: Pfarreien des Kreuzherrnklosters, Memmingen 1920