Jörg Bischof - unglücklicher Ausgetretener
Ich bin Hutmacher und wohne mit meiner Familie in der Ulmer Straße. Als Mitglied der Tucherzunft verdiene ich mit meinen Hüten so wenig, dass ich nur die Kopfsteuer bezahlen muss. Schon seit einigen Jahren predigt Christoph Schappeler, dass „es keine Sünde sei, den Zehnten zu verweigern“. Letzten Herbst haben sich dann auch viele, wie der Bäcker Hans Heltzlin, geweigert, den Zehnten abzuliefern.
Als im Juni das Heer des Schwäbischen Bundes in die Stadt einmarschierte, wurde ich aufs Rathaus vorgeladen und über meine „aufrührerischen“ Reden befragt. Auch werde ich verdächtigt, dem Bundesheer Informationen geliefert zu haben. Schon auf bloße Verdächtigungen konnte man - auch ohne ein ordentliches Urteil - eingesperrt werden. Vier Wochen schmachtete ich im Verlies und wurde dann wie andere Ausgetretene auf Lebenszeit verbannt. Im Oktober kam ich heimlich in die Stadt zurück, weil mir der Bundeshauptmann Ulrich Arzt dies erlaubt hatte. Doch sperrte mich die Stadtwache wegen meiner Sympathien für die Bauern sofort wieder in den Turm. Endlich kam Ende Oktober ein Brief des Schwäbischen Bundes, der mir und einigen weiteren Bürgern die Rückkehr in die Stadt offiziell erlaubte.
Literatur: Philip L. Kintner: Memmingens „Ausgetretene“. Eine vergessene Nachwirkung des Bauernkrieges 1525-1527, in: Memminger Geschichtsblätter 1969, S. 5-39