Historischer Verein Memmingen

Geschichtsforschung - Heimatpflege - Denkmalschutz

Jörg Schalk - loyaler reichsstädtischer Spitalverwalter

 

Als Verwalter des Heilig-Geist-Spitals bin ich vor allem für die Organisation dieser Sozialeinrichtung verantwortlich, die unseren Kranken und Alten, Waisenkindern und anderen „Armen Dürftigen“ zugutekommt. Dass seit Monaten Bauern und Bürger Kritik an Leibeigenschaft und Zehntabgabe äußern, beunruhigt mich sehr, da dies die Grundlage unseres Fürsorgesystems untergräbt.

Seit dem Jahr 1365 haben hier in weltlichen Angelegenheiten nicht mehr die Chorherren des Heilig-Geist-Ordens, sondern Pfleger der Reichsstadt das Sagen. Von ihnen, darunter Eberhard Zangmeister, Ulrich Lieber und Ulrich Zwicker wurde ich im Juni 1524 in meinem Amt bestätigt. Mir ist aufgetragen, den umfangreichen Grund- und Waldbesitz nachhaltig zu bewirtschaften, was nicht immer leicht ist, da viele Bauern eine Teilhabe fordern.

Schon mehrfach wurde ich mit Zehntverweigerungen konfrontiert. Doch wie soll ich den Spitalbetrieb aufrechterhalten, wenn mit dem Zehnt eine wesentliche Einkommensquelle des Spitals auszufallen droht. Ich kann eine Veränderung der Bestandsverträge zwischen Spital und Bauern nicht akzeptieren; es bedarf im Gegenteil weiterer Einnahmen, etwa durch den Ankauf ertragreicher Güter.

 

Wie es weiterging: Das Spital setzte nach 1525 seine Maßnahmen zur Intensivierung seiner Herrschaft über Dörfer und Höfe fort. Die Leibeigenschaft blieb bestehen und der Zugang zum Wald obrigkeitlich reglementiert.

Literatur: Johannes Lambacher: Das Spital der Reichsstadt Memmingen (Memminger Forschungen 1), Memmingen 1991; Kießling, Rolf: Die Stadt und ihr Land. Umlandpolitik, Bürgerbesitz und Wirtschaftsgefüge in Ostschwaben vom 14. bis ins 16. Jahrhundert (Städteforschung A 29), Köln / Wien 1989 (Abschnitt Memmingen: Eine Reichsstadt in Gemengelage, S. 266-529)

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