Lenz Herttnagel wehrt sich gegen den Zehnten
Ich bin ein Bauer aus Steinheim. Durch die zu leistenden Abgaben bin ich in meiner Existenz bedroht. Ungefähr 30 % von allem, was ich erwirtschafte - z.B. Getreide, Gartengewächse, Eier, Hühner, Käse - muss ich an meinen Grundherrn, das Spital abgeben. Dafür, dass ich den Grund bewirtschaften darf. Weiter muss ich an die Kirche den Großzehnten, das ist der zehnte Teil vom Getreide, und den Kleinzehnten, das ist der zehnte Teil von Kraut, Rüben, Erbsen, Zwiebeln, Obst und Heu abliefern. Dazu kommt noch der Blutzehnt bei Schlachtungen und der Lebendzehnt von allen geborenen Kälbern, Schweinen, Schafen und Hühnern.
Der Prediger Schappeler von St. Martin in Memmingen sagt, dass man nicht verpflichtet sei, den Zehnten zu geben, weil der Großzehnt nur im Alten Testament und der Kleinzehnt gar nicht in der Bibel stehe. Noch dazu geht der Zehnt häufig nicht mehr an den Pfarrer und die Kirche. Diese geben die Einkünfte durch den Zehnten an andere Personen gegen einen festen Betrag weiter. Somit können die Geistlichen mit festen Einnahmen rechnen.
Zusammen mit vielen Bauern forderte wir zunächst die Abschaffung des Zehnten insgesamt. Das Spital teilte uns aber mit, dass es dann den Armen und Hilfsbedürftigen nicht mehr helfen können. Deshalb fordern wir jetzt nur die vollständige Abschaffung des Kleinzehnt und, dass der Großzehnt zuerst an den Pfarrer für ein angemessenes Leben gehen soll. Mit dem, was übrigbleibt, sollen zuerst die Bedürftigen der Gemeinde verorgt werden und der Rest für den Kriegsfall zurückgelegt werden.
Das Spital und die Stadt Memmingen geben uns nur eine zögerliche Antwort. Sie wollen abwarten, bis die Mitglieder des Schwäbischen Bundes einen Beschluss gefasst haben. Diesen wollen sie dann aber unverzüglich umsetzen.