Ludwig Conrater - altgläubiger Rat
Als altgläubiger Rat hat man es zurzeit schon schwer in Memmingen. Ich bin Zunftmeister der Merzler mit Geschäftsverbindungen in die Schweiz. Mit meiner Familie wohne ich im Viertel "Kalch herein". Verheiratet bin ich mit Barbara Bölerin, einer Leibeigenen des Klosters Kempten. Sie konnte sich später mit unseren Kindern aus der Leibeigenschaft freikaufen.
Seit 1499 bin ich Zunftmeister oder Rat. 1519, 1521 und 1523 diente ich meiner Vaterstadt als Bürgermeister. Derzeit bin ich einer von 6 Geheimen Räten der Stadt, die oft in diplomatischen Missionen für die Stadt in Oberschwaben unterwegs waren.
Mein Glauben war und blieb die altgläubige Ausrichtung und deshalb versuchte ich immer wieder, oft gemeinsam mit unserem Stadtschreiber Vogelmann, den Rat von dem Irrglauben abzuwenden. Im Februar 1524 wurde es ganz schwierig. Wir wurden aus der Ratssitzung verwiesen und sollten fortan keinen Kontakt mehr zu den altgläubigen Priestern pflegen.
Trotz der Meinungsverschiedenheiten hat mich der Rat weiterhin als geheimer Rat auf diplomatische Missionen geschickt. Am 6. Dezember 1524 war ich in Ulm, um bei der Gründung eines geheimen nachbarschaftlichen Bündnisses mitzuwirken. Dies solte als Hilfe für Städte, die bedroht wurden, weil sie das Wormser Edikt nicht beachteten. Und im Dezember 1524 wurde ich auf den Städtetag des Schwäbischen Bundes nach Ulm geschickt, wo es um die Verweigerung des Zehnten ging und den daraus entstehenden Folgen. Davon war Memmingen heftig betroffen.
Nach den Unruhen in der Stadt 1525 wurden im April und dann im Juli, diesmal durch den schwäbischen Bund, Neuwahlen durchgeführt. Conrater wurde jedes Mal wiedergewählt.