Historischer Verein Memmingen

Geschichtsforschung - Heimatpflege - Denkmalschutz

Max Straub fordert mehr Rechte für die Bauern

 

Ich habe letztes Jahr einen Hof in Pleß, einem Dorf nördlich von Memmingen übernommen. Den Zehnten* muss ich als Leibeigener* an das Unterhospital* liefern. Die anderen Bauern und Höfe gehören der Familie Besserer aus Memmingen. Außerdem müssen wir eine viele verschiedene Abgaben entrichten, und täglich bereit sein, für den Grundherrn zu arbeiten. Für uns bleibt oft kaum genug zum Leben. Früher war die Jagd ein festes Recht unserer Vorfahren war. Das hatte immer wieder unsere schmale Kost aufgebessert. Jetzt dürfen wir nicht mehr jagen und müssen stattdessen hinnehmen, dass das Wild und die herrschaftlichen Jäger unsere Saaten niedertrampeln und wir oft kaum etwas ernten. Wir brauchen auch freien Zutritt zum Wald. Es reicht nicht aus, in Gemeinde- und Bannwäldern nur Brenn-, Zaun- und Zimmerholz für den eigenen Bedarf sammeln zu dürfen.

Auch wir hörten von den Bauern in Oberschwaben, die sich gegen ihre Herrschaft erheben und mehr Freiheiten verlangen. Zwei Amtleute erfragten unsere Forderungen. Freie Jagd und Fischerei, Erlass der Gebühr bei Übernahme eines Hofes und bei Hochzeiten, im Erbfall keine Erhöhung der Pacht, Beteiligung an allen Freiheiten und Rechten, die die Bauern sonst erringen würden. Würde uns das alles zugestanden, werden wir uns den aufständischen Bauern nicht anschließen. Die Familie Besserer erklärt sich damit einverstanden, wenn der Rat der Stadt dies alles gutheiße. Außerdem sagen sie uns Schutz vor den marodierenden Haufen, zu.

Wie es weiterging: Im Juni 1525 besetzten die Truppen des schwäbischen Bundes die Stadt. Inzwischen hatten aber fremde Bauernhaufen aus Mittelchwaben und Obergünzburg die Stadt umzingelt. Da sie die Stadt nicht erobern konnten, wollten sie sie aushungern. Die belagernden Bauern griffen die Stadt an. Sie plünderten und brandschatzten auch Pleß, dass kein Haus mehr steht. Welch Elend! Nach der Schlacht an der Leubas wurden die von den Obrigkeiten gemachten Zugeständnisse wieder für null und nichtig erklärt. Erst 1808 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben; die Bauern konnten ihr Land vollständig erwerben.

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