Thomas Knoch - Vorsteher der Memminger Kreuzherren
Als gewählter „Spitalmeister“ bin ich seit 1507 für die Seelsorge im Memminger Spital verantwortlich. Dass seit Monaten Bauern und Bürger Kritik an Leibeigenschaft und Zehntabgabe äußern, beunruhigt mich sehr. Die meines Erachtens unberechtigten Forderungen gefährde die Ordnung in Kirche und Land. Deshalb finde ich es richtig, dass Bürgermeister Hans Keller und die Räte, darunter auch die bestellten Pfleger des Spitals, die „Beschwerden“ ablehnen und dadurch den finanziellen Fortbestand von Spital und Kloster sichern. Wir stehen unter „Schutz und Schirm“ der Stadt und geloben ihr im Rathaus alljährlich die Treue.
Ich unterstütze meinen Ordensbruder Pater Jacob Megerich in seinem Festhalten an der althergebrachten Liturgie in der Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau. Für Reformen in der „Heiligen Kirche“, wie sie der Prediger in Sankt Martin, Christoph Schappeler schon seit geraumer Zeit fordert, bedarf es der Mitwirkung des Augsburger Bischofs Christoph von Stadion sowie eines Konzils, das nur Papst Clemens VII. einberufen kann.
Wie es weiterging: Spitalmeister Knoch wandte sich 1528/29 mehrfach gegen die Abschaffung der Messfeier in den Pfarreien der Reichsstadt und des von ihr verwalteten Spitals. Bis 1530 amtierte er im Spital; 1531 verstarb er.
Literatur: Johannes Lambacher: Das Spital der Reichsstadt Memmingen (Memminger Forschungen 1), Memmingen 1991; Martin Sontheimer: Die Geistlichkeit des Kapitels Ottobeuren. Von dessen Ursprung bis zur Säkularisation, Bd. 5: Pfarreien des Kreuzherrnklosters, Memmingen 1920